TanjaV-ERAS 1 ist eine Virtual Reality Mars-Simulations Mission auf der  Mars-Simulationsstation ERAS der Mars Society Italien.

Tanja Lehmann

ERAS ist die erste europäische Mars Simulations Station neben den Stationen MDRS und FMARS der US Mars Society und dient der Simulation ergonomischer, operationeller und Umgebungsbedingungen, wie sie auf dem Mars zu erwarten sind.

Ziel der V-ERAS 1 Mission war die Simulation einer Reihe von Bedingungen, wie sie ein Astronaut auf dem Mars vorfinden würde. Zur Teilnahme an dieser ersten ERAS Simulationmission hatte ich mich beworben und wurde ausgewählt. Ich bin auch Mitglied des MIRIAM-2 Ballonteams der Mars Society Deutschland.

Hier mein Bericht über diese sehr interessante Mission:

Ich habe von der Ausschreibung für die erste Crew durch eine Ankündigung auf der Website der Mars Society Deutschland erfahren und mich spontan entschlossen, meinen Lebenslauf einzureichen. Nachdem ich ca. 3 Monate nichts von meiner Bewerbung gehört und das Ganze schon längst vergessen hatte, habe ich Anfang November 2014 von meiner Auswahl als Crewmitglied erfahren. Die Simulation fand dann vom 7. – 14. Dezember 2014 in Madonna di Campiglio im Carlo Magno Hotel statt, das uns freundlicherweise den Aufenthalt inklusive Vollpension sponserte! Das Wellness-Center sollte man hierbei auch nicht vergessen – leider konnten wir aufgrund unserer Missionsaufgaben dieses nicht so oft nutzen, wie wir gerne gewollt hätten.

Health Monitor

Es war geplant, die Körperfunktionen Atmung, EKG, Puls, Blutsauerstoffgehalt und Körperbewegungen der Teilnehmer während der Missionssimulation zu überwachen, dazu stand uns ein System namens „e-health“, das übers Internet käuflich ist, zur Verfügung. Jeden Tag sollte ein anderer Teilnehmer dieses System tragen.

Der Atemsensor erwies sich schon zu Beginn als sehr unpraktisch und allgemein waren die Kabel im gesamten System zu kurz geraten ohne Möglichkeit einer Verlängerung. Zusätzlich war das System sehr störanfällig und es konnten kaum brauchbare Daten gewonnen werden. Daher wurde Versuche mit dem System nach zwei Tagen aufgegeben.

Sehr erfolgreich war jedoch eine Notfallsimulation mit telemedizinischer Unterstützung eines Arztes von Südafrika aus.

Habitat

Die erste Aufgabe der Mission war, das virtuelle Habitat mittels Gamepad zu erkunden. Um die Umgebung dreidimensional zu sehen, wurde ein Programm namens Blender zusammen mit einer 3D-Computerbrille (Oculus Rift Version 1) benutzt.

Nach den ersten Tests war klar, daß hier in der Software nachgebessert werden mußte, um Ruckeln und 3D-Effekte in Ordnung zu bringen. Dies nahm einige Zeit in Anspruch (wie so oft, wenn etwas Neues entwickelt und getestet wird).

Hier gibt es das Ganze im Video erklärt: http://youtu.be/VvVjOo9gvpo.

EVA-Simulation

Nicht nur das Habitat von innen, sondern auch der virtuelle Mars außerhalb sollten erkundet werden. Dafür wurde eine Vorrichtung namens Motivity zusammen mit dem Tracking-Gerät Kinect (Version 1, bekannt von diversen Videospielen) und der Virtual Reality Brille benutzt. Das Motivity ist eine passive Vorrichtung, die es ermöglichen soll, auf der Stelle zu laufen und somit die virtuelle Landschaft zu erkunden.

Auch hier gab es öfters Software-Probleme, daher war deren Beseitigung zu Beginn eine der häufigsten Akivitäten in Bezug auf Motivity:


Hier bin ich in der Startposition fürs Tracking

Dann muß das Tracking in der Blender-Software integriert werden, der erste Schritt sieht dann so aus:


Franco testet das Tracking

Das Ergebnis, wenn Blender läuft und man virtuell eine EVA durchführen kann:


So sieht eine EVA-Simulation in der Durchführung aus

Ich kann in der Brille meine virtuellen Hände sehen, so wie auf dem Bildschirm (jedes Bild ist für ein Auge, damit ein 3D-Eindruck entsteht). Der Avatar wird durch die eigenen Körperbewegungen kontrolliert (siehe auch http://youtu.be/mv4iIO_n-1Y)

MotiGravity

Um das Fortbewegen bei Marsschwerkraft (1/3 Erdschwerkraft) zu simulieren, gab es eine modifizierte Version des Motivity namens MotiGravity. Für diese Simulation trug man zusätzlich einen Klettergurt und wurde in eine Entlastungsvorrichtung eingehängt. Diese erlaubte zu laufen mit nur 1/3 der normalen Gewichtsbelastung auf den Füßen.


So sieht das dann aus. Ziemlich umständlich, nicht wahr?

Auch die Marssschwerkraftsimulation ist noch verbesserungsbedürftig: Der Klettergurt ist unbequem und da leider nur eine Entlastung im Körperschwerpunkt erfolgt, fühlt sich das Ganze nicht wirklich wie Marsschwerkraft an. Ein Video von mir im MotiGravity gibts hier: http://youtu.be/OC6p3Efty-8
Ein Video einer echten Marsschwerkraftsimulation im Parabelflug ist hier zu finden: http://www.zerog2002.de/Zero-G_Reise2/Mars_g_klein.wmv

Mars-Rover

Auch ein Mars-Rover gehörte zum Programm. Diesen konnte man ebenso mittels Virtual Reality Brille und Gamepad bzw. Tastatur fahren. Ein Video, das dies erklärt, gibts hier: http://youtu.be/_Em6WMICC14

Wir übten ebenfalls das ferngesteuerte Fahren eines echten Rovers. Das war der Husky Rover, stationiert in Kanada, an der Universität von London/Ontario.

Besuch vom Fernsehen

Unsere Simulation war so interessant, daß  das italienische Lokalfernsehen RAI TV uns gegen Ende der Missionswoche besuchte und Interviews mit einigen der Teilnehmer durchführte.

Fazit der Missionswoche: Es ist zwar nicht alles so gelaufen wie erhofft, aber dennoch haben wir viele neue Erkenntnisse gewonnen.

Und nicht vergessen: Auf zum Mars mit Stil (wie Franco, der Missionsleiter) immer sagte.


Das V-ERAS 1 Team, bestehend aus Crew und Mission Support: v. l. Vito Gentile (Crew), Franco Carbognani, Ezio Melotte, Tanja Lehmann (Crew), Alexandre Mangeot (Crew), Marc Wylie (Crew) und Yuval Brodsky