Elon Musk bei der Entgegennahme einer Auszeichnung für seine Leistungen für die Raumfahrt durch Robert Zubrin während der Mars Society Convention 2012

Elon Musk bei der Entgegennahme einer Auszeichnung für seine Leistungen für die Raumfahrt durch Robert Zubrin während der Mars Society Convention 2012

Kürzlich erschien in der deutschsprachigen Ausgabe der renommierten Zeitschrift Business Insider ein Interview mit Dr. Robert Zubrin, dem Gründer und Präsidenten der Mars Society. Thema waren die Pläne von Elon Musk, dem Gründer und Präsidenten von Space X, für eine bemannte Mission zum Mars. Musk hatte in einem Interview angekündigt, bereits 2018 eine unbemannte DRAGON Kapsel zum Mars schicken zu wollen mithilfe der in der Entwicklung befindlichen Falcon 9 Heavy von Space X. Das Interview ist sehr lesenswert, da Zubrin auf alle eine bemannte Marsmission betreffenden Fragen des Journalisten Antworten gibt, die dem heutigen Stand der Technik und des Wissens entsprechen.

Ergänzend zu dem Interview hier noch einige Anmerkungen, die die Machbarkeit, aber insbesonders den möglichen Zeitplan bemannter Marsmissionen betreffen:

  • während die meisten Technologien für eine bemannte Mission zum Mars und einem Aufenthalt auf dem Mars bereits zur Verfügung stehen, ist deren Umsetzung in für bemannte Langzeitmissionen brauchbare Hard- und Software auf vielen entscheidenden Gebieten noch weit entfernt von den Anforderungen an eine bemannte Langzeit-Mission in weiter Entfernung von der Erde
  • Die ISS verfügt zwar über alle Technologien, die zum Betrieb der ISS und ein Leben von Menschen auf der ISS erforderlich sind, erfordert aber eine kontinuierliche Versorgung vom Boden mit allem, was der Mensch so braucht und, ebenso entscheidend, Ersazteilen für die ISS aufgrund der Reparaturanfälligkeit besonders der komplexen Systeme zu Lebenserhaltung. Besonders kritisch ist dabei gerade das Lebenserhaltungssystem mit seine komplexen Funktionen. Das ist besonders störanfällig trotz einer langen Entwicklungsgeschichte von Apollo über den Shuttle und Spacelab bis hin zur ISS. Im Notfall kann auch in Echtzeit vom Boden auf die ISS zugegriffen werden
  • es leuchtet ein, dass alle diese Versorgungs-, Wartungs-, Eingriffs- und Rettungsvorkehrungen bei einer Langzeitmission von mindestens 3 1/2 Jahren zum Mars nicht möglich sind aufgrund der Entfernung zur Erde und der Signallaufzeit -hin und zurück- von mindestens 40 Minuten
  • die Wiederaufbereitung der Ressourcen für den Menschen (Luft, Nahrung, Wasser, Abfälle jeder Art) ist zwar eine Aufgabe, der man sich widmet, Lösungen dafür die für Langzeitmissionen geeignet sind, sind aber noch 9in weiter Ferne
  • Trotz der Nähe zur Erde und der Eingriffsmöglichkeit von der Erde innerhalb weniger Tage im Extremfall ist es erforderlich, eine Evakuierung der ISS innerhalb von Stunden vorzusehen. Weshalb ständig zwei Soyuz Kapseln an die ISS angedockt sind, um die gesamte Mannschaft im Notfall evakuieren zu können
  • es wird noch lange dauern (Zeitrahmen: 10 Jahre) mit sehr kostspieligen Tests am Boden und im Weltraum, um besonders das Lebenserhaltungssystem auf die erforderliche Zuverlässigkeit hin zu entwickeln und zu testen und damit das Missionsrisiko auf ein erträgliches Mass zu reduzieren.
  • ein vollständige Autonomie einer Marskolonie, wie die Mars Society sie unterstützt, ist in weiter Ferne, selbst wenn die oben beschriebenen Entwicklungen erfolgreich verlaufen sollten. Es würden also, zumindest auf lange Zeit hin, Versorgungsflüge von der Erde zum Mars erforderlich
  • eine  Mission zum Mars mit einem Aufenthalt auf dem Mars bis zu zwei Jahren ist eher vorstellbar, würde aber wohl den Transport größerer Mengen an Material, Treibstoff, Nahrung und Ersatzteilen erfordern, die mit der derzeit anvisierten Nutzlas in LEO von ca. 70 t nur mit einer Vielzahl von Starts und Koppelmanövern in den Erd- und Marsumlaufbahnen ztu erreichen wären. Selbst eine solch Mission mit verbesserten ISS Technologie ist kaum vor 2030 vorstellbar