CM-14Der ESA Ministerrat, das höchste über ESA Projekte entscheidenden Gremium, hat am 1.Dezember über die Zukunft der europäischen Träger entschieden und das Bestmögliche aus den verschiedenen Aspekten, Vor- und Nachteilen gemacht (wir berichteten über das „Dilemma“ einer solchen Entscheidung).

(Bild:ESA)

Aus den in der „Resolution“ recht verklausuliert niedergelegten Ergebnissen der Konferenz (siehe hier das von ESA veröffentlichte Original der Resolution) kann man entnehmen, dass weitreichende Entscheidungen oder zumindest Absichtserklärungen zustande kamen, die für die Zukunft der Raumfahrt in Europa und die europäische Träger-Strategie im Besonderen von großer Bedeutung sind. Das ist gleichzeitig ein Vertrauensbeweis an die ESA, deren Erfolge in der europäischen Raumfahrt in der Resolution sehr hervorgehoben werden.

Erst einmal gibt es ein klares Bekenntnis für eine unabhängige europäische Trägerkapazität für alle Arten von wissenschaftlichen und kommerziellen Satelliten. Das ist bemerkenswert, stellt die Weichen für eine eigenständige und unabhängige europäische Trägerkapazität und bedeutet auf mittlere Sicht auch eine Verabschiedung von der russischen Soyuz in Kourou. Insgesamt eine wichtige strategische Entscheidung, die Europa zum Handeln verpflichtet -auch wenn einmal prognostizierte Kosten später nicht eingehalten werden können?.

Zweitens wird der Industrie auf mittlere Sicht mehr Handlungsspielraum und Verantwortung bei Entwicklung und Betrieb der Träger übertragen, wie es die Industrie ja auch selber vorgeschlagen hat. Auch das ist bemerkenswert und wird sicherlich, zumindest für Ariane 6 und Vega, zu Kostenreduzierungen gegenüber Ariane 5 führen. Ob ebenfalls anvisierte Kostenreduzierungen für die Ariane 5 zustande kommen, bleibt zweifelhaft. Auf jeden Fall wird die Ariane 5 ME mit einer Kapazität bis zu 12 t in einen geostationären Orbit nicht entwickelt. Stattdessen bekommt die Ariane 6 eine zweite Version (siehe Abbildung), die wie die jetzige Ariane 5 etwa 10 t befördern kann.

Ariane 6– Ariane 6 kommt in der zuletzt von der Industrie ins Gespräch gebrachten und von Deutschland favorisierten Form mit dem von Ariane 5 abgeleiteten zentralen kryogenen Triebwerk. Damit bleibt die europäische Knowhow für große kryogene Triebwerke erhalten. Ob das wirklich zukunftsweisend ist, muss sich zeigen.

Hier eine Animation einer Ariane 6 Mission mit zwei in unterschiedlichen Umlaufbahnen ausgestzten Satelliten

– die Ariane 5 ME wird es nicht geben, Ariane 5 wird nach Indienststellung der Ariane 6 langsam auslaufen, sowie Ariane 6 ihre Zuverlässigkeit nachgewiesen hat

– eine Vega C wird entwickelt. Damit soll die Nutzlastkapazität erhöht und gleichzeitig über mehr Gemeinsamkeit mit Ariane die gesamten Kosten der europäischen Träger verringert werden

– es wird eine neue Startrampe für Ariane 6 gebaut, von der aus dann wohl beide Versionen der Ariane 6 gestartet werden können.Ob damit auch Startkosten reduziert werden, bleibt dahingestellt

– der Soyuz Startplatz wird überflüssig, sobald Satelliten der Soyuz Gewichtsklasse bis etwa 3.2 t mit Vega oder  Ariane 6 gestartet werden können. Allerdings ist dafür Vega bisher unter- und Ariane 6 überdimensioniert. Allerdings könnte Ariane 6 zwei Satelliten der Soyuz Klasse gleichzeitig starten, wie in der Animation gezeigt.

– Die von Airbus Defence&Space in Bremen zu bauende Oberstufe wird weiterentwickelt und wiederzündbar, um flexibler Satelliten in unterschiedlichen Umlaufbahnen absetzen zu können. Damit gewinnt Ariane 6 gegenüber der jetzigen Ariane 5 an Flexibilität

Die sich stellende Frage einer Subventionierung von Starts wird umgangen, obwohl man dem Text der Resolution entnehmen kann, dass europäische Träger mit privaten Anbietern wie Space X wohl kaum konkurrieren kann. Es besteht aber wohl Einvernehmen darüber, dass grundsätzlich institutionelle europäische Satelliten mit europäischen Trägern gestartet werden sollen, um damit der Industrie eine gewisse Planungssicherheit zu geben, was einer indirekten Subventionierung gleichkommt, wie sie auch in den USA mit NASA und militärischen Aufträgen gegeben ist.

Die Kosten der Falcon 9 von Space X wird man in Europa jedenfalls nicht erreichen können wegen der zahlreichen verschiedenen Länder und Firmen, die an der Ariane 6 beteiligt sind, während Space X zum Beispiel die Triebwerke im eigenen Haus herstellt (bis zu fünf pro Woche, wenn erforderlich!). Auch in der Frage der möglichen Rückführung der ersten und möglichwerweise sogar der zweiten Stufe zur Wiederverwendung, wie Space X es anstrebt, dürften sich weder Ariane 6 noch Vefa eignen. Space X strebt an, die Startkosten damit auf längere Sicht auf 1/10 der derzeitigen Kosten zu drücken! Was würde Europa dem entgegensetzen können?